EÜR Sacheinlagen Betriebsgründung

  • Ich habe vor kurzen ein Gewerbe angemeldet und bastele gerade als Kleinunternehmer and meiner ersten EÜR. Da ich handwerklich tätig bin habe ich einiges an Sacheinlagen aus meinem Privatbesitz in mein Gewerbe mitgenommen und ich würde gerne wissen wie ich das am besten verbuche.


    Z.B. Gewerbeanmeldung 15.01.2008
    Sacheinlagen und Eigenleistungen -1000 Euro
    Computer, Werkzeug (auflistung) usw.


    D.h. ich starte mein Gewerbe praktisch mit -1000 Euro, für die ich naturgemäß keine Belege habe weil sie aus meinem Privatbesitz kommen.


    Wie detailiert beschreibt man sowas? Benennt man z.B. bei Fachliteratur jeden einzelnen Titel oder kann man das zusammenfassen?


    Sehe ich das richtig?


    Vielen Dank!

  • Also ohne jegliche Belege halte ich das für recht schwierig, überhaupt irgendetwas geltend zu machen.
    Sonst könnte man ja x-beliebige Werte ansetzen, um im Voraus die Steuer zu mindern.
    Normalerweise gilt ja die Regel: ohne Beleg keine Berücksichtigung...

  • Soweit ich weiß gibt es doch die Möglichkeit der Sacheinlagen und Eigenleistungen.
    Wenn ich z.B. ein Gewerbe als Tischler anmelde und bringe aus meinem Privatvermögen Werkzeuge und Verbrauchsmaterial in mein Gewerbe ein, muß ich das doch berücksichtigen können.

  • Die Einlage von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens wird zum [wiki=Teilwert]Teilwert[/wiki] vorgenommen.


    Teilwert ist der Wiederbeschaffungswert zum Zeitpunkt der Einlagen.


    Wenn du also Wirtschaftsgüter einlegst, deren Teilwert unter 410,- liegt und selbstständig nutzbar ist, dann kannst du diese gesammelt als GWG verbucheun und im Jahr der Einlage sofort als Aufwand verbuchen.


    Handelt es sich um Wirtschaftsgüter deren Teilwert über 410,- liegt, oder Wirtschaftsgüter die nicht eigenständig nutzbar sind, dann sind die Wirtschaftsgüter einzeln zu aktivieren und über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben.


    Die AfA ist dann als Betriebsausgabe zu verbuchen.


    Über die sich im Anlagevermögen befindlichen Wirtschaftsgüter muss ein sog. [wiki=Inventur]Anlagenverzeichnis[/wiki] geführt werden.


    Gruß,
    Matthias

    Dieser Beitrag stellt keine individuelle rechtliche Beratung dar, sondern gibt lediglich die Meinung des Verfassers wieder.
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht zum Zahlenmüssen. Die Kenntnis aber häufig schon.


    JOKER | meine Leidenschaft | meine Fotos | artflakes | GESETZE

  • Das ist ja alles klar und wohl bekannt.
    aber wenn man keine Rechnungen, Belege über die Anschaffungskosten hat, wie soll man denn dann bitte Kosten geltend machen?
    Das war ja nur mein Einwand.
    Normalerweise muß man doch belegen können, was die Anlagegüter mal gekostet haben.
    Daraus leitet sich ja auch der Teilwert ab.
    Wenn keine Kaufbelege da sind, dann könnte man vielleicht noch über ein Gutachten den Zeitwert ermitteln (was ja bei teueren Anlagegütern durchaus sinnvoll ist). Kostet aber auch nochmals Geld.
    Oder liege ich da mit meiner Auffassung falsch?
    Mir wurde auf dem FA und vom Steuerberater immer gesagt: gibt es keinen Beleg, kann auch nix abgesetzt werden...

  • Definition von Teilwert (§6 Abs.1 Nr.1 Satz 3 EStG):
    Teilwert ist der Betrag, den ein Erwerber des ganzen Betriebs im Rahmen des Gesamtkaufpreises für das einzelne Wirtschaftsgut ansetzen würde; dabei ist davon auszugehen, dass der Erwerber den Betrieb fortführt.


    Im Regelfall entspricht der Teilwert dem Verkehrswert oder Marktpreis zum Zeitpunkt der Einlage.


    Wenn ich mir also vor 20 Jahren eine Maschine privat gekauft habe (aus welchen Gründen auch immer) und diese heute einlege, dann muss ich gucken wir teuer diese Maschine heute wäre. Mit diesem Wert ist die Maschine dann zu aktivieren.


    Eine Rechnung von vor 20 Jahren ist dabei nicht notwendig. Privat besteht zudem keine Aufbewahrungspflicht.


    Der Grundsatz "Keine Buchung ohne Beleg" bezieht sich auf den laufenden Geschäftsbetrieb, z.B. für Vorsteuerbehaftete Aufwendungen. Von der FinVerw werden aber z.T. auch Eigenbelege akzeptiert, der Vorsteuerabzug ist dann jedoch nicht möglich weil i.d.R. die Voraussetzungen des §14 Abs.4 UStG nicht erfüllt sind.



    Gruß,
    Matthias

    Dieser Beitrag stellt keine individuelle rechtliche Beratung dar, sondern gibt lediglich die Meinung des Verfassers wieder.
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht zum Zahlenmüssen. Die Kenntnis aber häufig schon.


    JOKER | meine Leidenschaft | meine Fotos | artflakes | GESETZE

  • Hallo,
    kann sein dass ich viel zu blöde bin oder einfach nur auf dem Schlauch stehe - aber:
    WIE KANN MAN SACHEINLAGEN (FACHLITERATUR) SINNVOLL VERBUCHEN BZW. KONTIEREN?
    In den vergangenen Jahren habe ich mir Fachliteratur im Wert von mehreren Tausend Euro angeschafft und möchte diese als Teil der Stammeinlage für die bevorstehende GmbH-Gründung (bzw. Ltd.-Gründung - falls MoMiG doch nicht kommt) verbuchen. Mir ist natürlich klar, dass ich nicht die Listenpreise ansetzen kann, aber wie viel ist davon wirklich als Stammeinlage möglich? Problematisch wird es dadurch, dass ich in dieser "Bibliothek" antiquierte Bücher habe, die älter als 30 Jahre und somit aus zweiter Hand sind - der bezahlte Wert liegt unter fünf Euro, aber das Wissen daraus unbezahlbar ist, da es dieses Wissen in der Form gar nicht mehr gibt. Den ideellen Wert des beispielhaft genannten Buches würde ich persönlich alleine als 700 Euro verbuchen und somit ein Vielfaches des Listenpreises.


    Also mir geht es nicht um Steuererleichterung oder AFA, sondern nur darum, dass Stammkapital aufzubringen. Denn ich war so blöde und habe in dem Glauben, dass es besser wäre, sich das Wissen vor der Gründung anzueignen, den Fehler gemacht, sämtliche ersparten Altersrücklagen für Bücher auszugeben - ohne es zu merken. Somit will ich jetzt diese Bücher wiederum einsetzen, um einen höheren Kredit für die Gründung zu erhalten und daraus die "gestolene" Absicherung im Alter wieder aufzufüllen.


    Gruß Jochen

  • Na ja, du könntest einen Wert dieser Fachliteratur schätzen und diesen einfach mal in deiner EÜR ansetzen.
    Die Frage ist natürlich, ob das FA diesen Schritt mitgeht und dies anerkennt.
    Dies ist sehr wahrscheinlich im Falle des Falles nur im Dialog mit dem FA zu klären.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, das bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich alles anerkannt wird, was wirklich plausibel erklärbar gemacht werden kann und was nachvollziehbar ist.
    In strittigen Punkten mußte ich das immer mit dem Sachbearbeiter bzw. mit dem Steuerprüfer klären.
    Eine grundsätzliche Regel, verbuche es so und es wird auf jeden Fall anerkannt, gibt es meines Erachtens einfach nicht, da das FA immer den individuellen Sachverhalt betrachtet.
    Ich würde es also realistisch schätzen und ein Verzeichnis mit all der Fachliteratur anlegen und als vorweggenommene Betriebsausgabe buchen und mich überraschen lassen, was das FA dazu sagt.
    Wenn sie sich erst mal querstellen würde ich den Dialog suchen und versuchen, möglichst viel dieser Kosten durchzukriegen.
    Das fA kann halt auch was von einem Basar haben :D

  • Ich habe mich mittlerweile auch noch bei einem Steuerberater schlau gemacht und das bisher geschriebene stimmt mit dessen Angaben in etwa überein.


    Bei einer Einlage von gebrauchten oder ursprünglich für den Privatgebrauch gekauften Sachen ist man mit etwa 50% des Neuwertes ganz gut beraten. Wenn etwas im Vorfeld der Gründung direkt für das Gewerbe angeschafft wurde, kann man auch den Kaufpreis buchen.
    Es ist empfehlenswert eine genaue Liste anzufertigen, was alles eingelegt wurde.


    In meinem Fall waren es allerdings nur einige hundert Euro und nicht einige tausend.

  • Danke, danke, danke...


    Und was den Wert der Bücher angeht - die Bücher, die ich meine sammelten sich über einen Zeitraum von schätzungsweise 5 bis 8 Jahren an, allerdings den Mörderanteil in den letzten zwei Jahren (über 150 Stück).


    Jochen

  • einfach mal in deiner EÜR ansetzen.


    In die EÜR würde ich das ganze nicht eintragen, eher in das Anlagenverzeichnis. Die Abschreibung wirkt sich dann jährlich bei der EÜR aus.


    Gruß,
    Matthias

    Dieser Beitrag stellt keine individuelle rechtliche Beratung dar, sondern gibt lediglich die Meinung des Verfassers wieder.
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht zum Zahlenmüssen. Die Kenntnis aber häufig schon.


    JOKER | meine Leidenschaft | meine Fotos | artflakes | GESETZE