Nachträgliches Abführen der Einfuhrumsatzsteuer beim Finanzamt

  • Hallo!


    Ich beziehe Ware aus Südafrika, die ich dann bei EBAY verkaufe. Nachdem die Lieferungen, die beim Zoll angemeldet sind und für die auch direkt Einfuhrumsatzsteuer erhoben wird, immer viel zu lange dauern :mad: beziehe ich die Ware momentan immer ohne Zollanmeldung und führe damit auch keine Einfuhrumsatzsteuer ab.


    Kommt aber eine Steuerprüfung (wie häufig kommt das eigentlich bei Kleinunternehmern vor?) fällt das natürlich auf.


    Meine Frage ist nun, ob ich freiwillig zum Finanzamt (oder Zoll) gehen muß/soll um nachträglich die Einfuhrumsatzsteuer zu begleichen und damit eine saubere Buchführung zu haben.


    Vielen Dank für Eure Antworten!
    Verip

  • Zitat

    Meine Frage ist nun, ob ich freiwillig zum Finanzamt (oder Zoll) gehen muß/soll um nachträglich die Einfuhrumsatzsteuer zu begleichen und damit eine saubere Buchführung zu haben.

    wenn, dann ist der Zoll dafür zuständig.


    Ich würde einfach mal anfragen, ob es Alternativen gibt um einen schnelleren Ablauf zu erzielen.


    Gruß
    Sven

  • Hallo Sven,
    vielen Dank für Deine Antwort.
    Nachdem ich das letzte Mal schon extra einen Zollagenten für das Ausfüllen der Zollanmeldung beauftragen mußte, habe ich natürlich gleich nach einer schnelleren Methode gefragt. Leider gibt es da wohl keine, daraufhin bin ich ja dazu übergegangen die Einfuhr ohne Zollanmeldung und damit ca. 3 Wochen schneller durchzuführen.
    Will mich aber auch nicht strafbar machen oder Strafe bei einer Steuerprüfung zahlen...
    Viele Grüße,
    Verip

  • Meine Frage ist nun, ob ich freiwillig zum Finanzamt (oder Zoll) gehen muß/soll um nachträglich die Einfuhrumsatzsteuer zu begleichen und damit eine saubere Buchführung zu haben.


    Ich hatte letztes Jahr ein ähnliches Problem, bei mir kamen Waren ohne Verzollung an. Hatte damals Kontakt mit dem FA, die sind aber nur dafür zuständig, wenn bei der nächsten Buchprüfung was rauskommt. Du mußt das ganze mit dem Zoll regeln, wobei das Zollamt vor Ort nur für ein paar Woche oder Monate im Nachhinein die Einfuhrabgaben erheben kann, wenn es länger zurück liegt mußt Du eine Selbstanzeige beim zuständigen Hauptzollamt machen.


    Was Du hier machst ist aktive Steuerhinterziehung!

  • Wir beziehen auch manchmal Sachen aus den USA. Manchmal rutschen die Pakete so durch. Nach Rückfrage bei unserem Berater haben wir nie etwas nachversteuert. Da wir ohnehin vorsteuerabzugsberechtigt sind, sähe das ein Buchprüfer wohl nicht so genau.
    Warum die Verzollung so lange dauern soll, kann ich nicht nachvollziehen. Wir bekommen eine Nachricht vom Zollamt, wenn ein Paket dort eingetroffen ist. Dann schlagen wir die entsprechenden TARIC-Nummern nach und fahren mit den Zahlungsbelegen zum Zoll. Die Abfertigung dauert ca 15 min. Nach einer Woche kommt dann eine Rechnung über Zoll und EUSt.
    Wenn man mit den großen Paketdienstleistern (UPS, FEDEX...) versenden lässt, erledigen die auch die Verzollung gegen eine Gebühr von ca 50 EUR. Das Paket kommt dann sehr schnell.

  • Hallöchen...


    Ich finde nach sechs Jahren ist es an der Zeit diesen Thread mal wieder auszugraben...^^


    Bei mir sieht die Problematik ähnlich aus:


    1) Als Reseller mit Umsatz <17,5k Euronen nehme ich die Kleinunternehmerregelung in Anspruch, und bin somit auch nicht vorsteueranzugsberechtigt!


    2) Um Einfuhrumsatzsteuer allerdings habe ich mir bisher keinen "Kopf gemacht", mehrere Warenlieferungen aus Drittl�ndern mit Einkaufswert von jeweils ca. 200-300 Euro wurden mir von DHL an die Haustür gebracht, ich hab' Empfang quittiert und fertig... (Eine Handelsrechnung lag entweder dem Paket garnicht bei oder war vom Lieferanten aus dem Drittland falsch ausgefüllt!)


    Meine Frage lautet: Wie gehe ich denn in Zukunft korrekt vor, ohne mich wegen Hinterziehung von Einfuhrumsatzsteuer strafbar zu machen? Und bitte auch ohne die Lieferungen unnötig zu verzögern...


    Bin für jede Antwort dankbar (aber bitte nicht von Erbsenzählern die Standardantwort "Rechtsberatung darf keine erteilt werden")...^^


    Gruß!


    Alexandra

  • Ich mache das inzwischen immer so, dass ich unmittelbar nach Erhalt einer entsprechenden Sendung einen Brief mit allen nötigen Unterlagen (Rechnung und Zahlungsnachweis) an das zuständige Hauptzollamt schicke und um Nachverzollung bitte, nach ca. einer Woche kommt dann ein Einfuhrabgabenbescheid den ich überweisen kann.

  • ThomasMo


    Vielen Dank für die Info, so bin ich dann wohl auf der sicheren Seite, auch wenn die 19% plus Zoll leicht schmerzen werden!


    Darf ich noch erfahren von welchem Waren(einkaufs)wert pro Paket du (in etwa) sprichst... Wie gesagt bei mir sind es jeweils ca. 200-300 USD, in Zukunft möchte ich aber gerne auch größere Order (500-800 USD) tätigen, da ich meinen Lieferanten mittlerweile vertraue...


    Gruß

  • Hmmm Momentchen, je mehr ich drüber nachdenke desto mehr "Kopfsalat" bekomm' ich gerade, deshalb nochmal Frage an alle:


    Das Finanzamt schlägt auf meine Einkäufe später ja ohnehin 19% Umsatzsteuer drauf, die ich als Kleinunternehmerin auch nicht als Vorsteuer abziehen kann!


    ----> dem Fiskus ensteht insoweit ja auch kein Schaden, denn ob ich die 19% direkt als Einfuhrumsatzsteuer oder später als reguläre Umsatzsteuer zahle sollte dem Staat ja ziemlich egal sein... ok, die Zölle gehen ihm "flöten", aber die Steuer bekommt er so oder so bezahlt...


    Oder mach' ich irgendwo gerade 'nen großen Denkfehler?


    Gruß

  • auch wenn die 19% plus Zoll leicht schmerzen werden!


    Sorry, aber die solltest Du schon die ganze Zeit in Deiner Kalkulation drinnen haben.


    Zitat

    Wie gesagt bei mir sind es jeweils ca. 200-300 USD, in Zukunft möchte ich aber gerne auch größere Order (500-800 USD) tätigen, da ich meinen Lieferanten mittlerweile vertraue...


    Hast Du ihn schon mal um korrekte Deklaration gebeten? Das kann im Falle des Paketverlustes auch für die Versicherung relevant werden wenn die Zolldeklaration wie z. B. bei DHL üblich auf dem Paketschein erfolgt.


    Zitat

    Das Finanzamt schlägt auf meine Einkäufe später ja ohnehin 19% Umsatzsteuer drauf, die ich als Kleinunternehmerin auch nicht als Vorsteuer abziehen kann!


    :confused: :confused: :confused: Wo schlägt das FA die nachher drauf?


    Zitat

    ----> dem Fiskus ensteht insoweit ja auch kein Schaden, denn ob ich die 19% direkt als Einfuhrumsatzsteuer oder später als reguläre Umsatzsteuer zahle sollte dem Staat ja ziemlich egal sein... ok, die Zölle gehen ihm "flöten", aber die Steuer bekommt er so oder so bezahlt...


    Oder mach' ich irgendwo gerade 'nen großen Denkfehler?


    Ja, machst Du, denn als Kleinunternehmer führst Du ja gerade keine 19% auf die Verkäufe ab. Und selbst wenn Du die KU Regelung nicht beanspruchen würdest hättest Du die Einfuhrumsatzsteuer später eben wieder als anrechenbare Vorsteuer, aber korrekt abgeführt werden muss sie trotzdem erst einmal. Zumal die 19% Einfuhrumsatzsteuer das eine sind, aber es gibt ja auch nicht die Zollgebühren in Höhe von idR 4,7% die abgeführt werden müssen.

  • ThomasMo


    Herzlichen Dank Thomas für Deine ausführliche Antwort! :-)


    Was die 19% Umsatzsteuer auf meine Einkäufe angeht:


    Ich dachte das sei ähnlich wie bei einem EU-Import, denn wenn ich aus dem EU-Ausland eine Ware beziehe muß ich als Empfänger ja auch mit 19 % versteuern, oder?


    Sprich... der Empfänger legt seinem FA die Rechnung vor (Kleinunternehmer in der jährlichen Umsatzsteuererklärung) und muss auf den Rechnungsendbetrag 19% Umsatzsteuer bezahlen. Kompliziert ausgedrückt in §13b UStG.


    Wie gesagt: "Kopfsalat"...^^


    Gruß

  • Ich dachte das sei ähnlich wie bei einem EU-Import, denn wenn ich aus dem EU-Ausland eine Ware beziehe muß ich als Empfänger ja auch mit 19 % versteuern, oder?


    Sprich... der Empfänger legt seinem FA die Rechnung vor (Kleinunternehmer in der jährlichen Umsatzsteuererklärung) und muss auf den Rechnungsendbetrag 19% Umsatzsteuer bezahlen. Kompliziert ausgedrückt in §13b UStG.
    (...)
    Also ich meine jetzt auf Nettorechnungen aus dem EU-Ausland, Umsatzsteueridentifikationsnummer ist ja vorhanden... ("Erwerbssteuer" nennt sich das dann wohl...)


    Ja, wenn Du Dir Nettorechnungen aus dem EU-Ausland geben lässt musst Du auf Deine EINKAUFSpreise die 19% abführen, das ist logsich. Die Frage ist, ob die Umsatzsteuer in dem EU-Land, aus dem Du beziehst, so viel höher ist, dass sich der bürokratische Aufwand lohnt oder ob es nicht deutlich einfacher wäre einfach brutto zu kaufen und sich um nichts kümmern zu müssen.


    Aber letztendlich verhält sich das dann in Deinem Fall ja absolut analog beim Lieferanten im EU-Bereich und im nicht-EU-Ausland: In beiden Fällen musst Du als Kleinunternehmer sicherstellen, dass Deine Einkäufe was die Umsatsteuer angeht ordentlich versteuert sind - im Falle der Einkäufe aus dem EU Gebiet über die Umsatzsteuererklärung beim FA, im Falle der Einkäufe aus dem nicht EU Gebiet beim Zoll. So ist die Zuständigkeit. Die Sachen, für die beim Zoll die 19% abgeführt sind, musst Du dann natürlich nicht nochmals beim Finanzamt versteuern.


    PS: Hast Du den Lieferanten schon mal gebeten, die Sendungen korrekt zu deklarieren?

  • ThomasMo


    Vielen Dank Thomas, ich glaub' dank Deiner Hilfe hat sich bei mir jetzt endlich "der Nebel gelichtet"... :-)


    Mit den Lieferanten muss ich demnächst mal besser kommunizieren, in der Vergangenheit war es manchmal sogar so dass manche von denen den Warenwert (auf den "commercial invoices" außen am Paket) deutlich niedriger angegeben hatten als das was ich tatsächlich bezahlt hatte. Korrekte Handelsrechnungen waren das jedenfalls keine. Mir war das aber erst später aufgefallen. Einmal stand da sogar "Sample for free" oder so ähnlich...


    Um Ärger zu vermeiden werde ich die Leutchen also darum bitten, dass der auf dem Paket angebene Wert mit dem Kaufpreis übereinstimmt.


    GLG


    Alexandra