Kleinunternehmerregelung und fiktive Umsatzsteuergrenze

  • Hallo,


    ich beschäftige mich nun schon den ganzen Tag mit ein paar Fragen bezüglich dem Kleingewerbe.
    Ich weiß, dass es ein leidiges, immer wieder durchgekautes Thema ist, aber letztendlich lese ich im Internet überall andere Antworten. Ich hoffe, es kann mir jemand konkret auf meinen Fall eine Antwort geben.


    Ich bin Kleinunternehmerin, ich weise also keine Umsatzsteuer aus.
    2010 hatte ich einen Gesamtumsatz unter 17 500 EUR, genauer < 14 000 EUR.
    2011 könnte mein Umsatz auf über 17 500 EUR ansteigen.


    Nun lese ich von 3 unterschiedliche Grenzen, ab welchen im folgenden Jahr 2012 Umsatzsteuer gezahlt werden muss.

    • ~ 14 000 EUR (17 500 EUR - 19%): fiktive Umsatzsteuergrenze
    • 17 500 EUR
    • 50 000 EUR


    Wann tritt denn generell welche Grenze ein?


    Welche Grenze muss ich denn nun für dieses Jahr, das 2. Jahr meiner Selbständigkeit, letztendlich beachten, um im 3. Jahr möglichst auch keine Umsatzsteuer zahlen zu müssen.


    Ich habe hier auch dieses schöne Beispiel gesehen:


    Zitat


    Beispiel 7: (2. Jahr der Selbständigkeit oder später)
    Tatsächlicher Gesamtumsatz 17.501 oder mehr
    Geschätzter Gesamtumsatz im dritten Jahr: 50.000 oder weniger


    Ergebnis: Kleinunternehmerregelung im zweiten Jahr möglich im dritten Jahr NICHT möglich.


    Letztendlich würde mich das nun auch zufrieden stimmen, allerdings irritiert mich diese fiktive Grenze noch.
    Also muss ich auf meine Gesamteinnahmen noch die fiktiven 19% dazurechnen und dann das fiktive Brutto als Grenze für die Umsatzsteuer in Betracht ziehen? Oder kann ich beruhigt bis 17 500 EUR netto verdienen?


    Der o.g. Link gibt auch nur verwirrende Antwort oder ich verstehe es einfach nicht.
    Der Gesamtumsatz wird u.a. definiert als


    Zitat


    Steuerbare Umsätze
    + Steuerbare unentgeltliche Wertabgaben des Unternehmers
    ./. bestimmte Umsatzsteuerfreie Umsätze (siehe §19 (3) UStG)
    ./. Verkäufe des Anlagevermögens
    + Umsatzsteuer


    , was in meinen Augen bedeuten würde, dass die Grenze bei ~14 000 EUR liegt.
    Andererseits heißt es dann aber wieder


    Zitat

    Demnach ist aus dem vereinnahmten Geld des Kunden die Umsatzsteuer fiktiv herauszurechnen. Wenn man so will wird also der Nettobetrag für die Berechnung herangezogen.


    , worin ich die Grenze von 17 500 EUR deute.


    - ??? -


    Ach ja und noch zuletzt: Wenn ich dieses Jahr über die Grenze komme, welche auch immer, muss ich dann für dieses Jahr auch rückwirkend Umsatzsteuer zahlen? Ich gehe nach dem Beispiel oben nicht davon aus, aber möchte dies nochmal bestätigt haben :)


    Vielen Dank im Voraus!


  • Ich weiß, dass es ein leidiges, immer wieder durchgekautes Thema ist,


    Ja, 2-3 mal pro Woche, mindestens. :(


    Zitat

    aber letztendlich lese ich im Internet überall andere Antworten. Ich hoffe, es kann mir jemand konkret auf meinen Fall eine Antwort geben.


    An deinem "Fall" ist überhaupt nichts besonderes ... Es geht einfach nur ums Grundverständnis, wie bei allen anderen auch.


    Zitat

    Welche Grenze muss ich denn nun für dieses Jahr, das 2. Jahr meiner Selbständigkeit, letztendlich beachten, um im 3. Jahr möglichst auch keine Umsatzsteuer zahlen zu müssen.


    Umsatzsteuer zahlen musst du immer, wenn du etwas kaufst. Die Umsatzsteuer, die du als Regelbesteuerte ans Finanzamt abführen musst, zahlen dann deine Kunden.


    Was deine Frage angeht: Wenn du weiter von der KU-Regelung Gebrauch machen willst, musst du unter 17.500 Euro Bruttoumsatz bleiben.


    Zitat

    Also muss ich auf meine Gesamteinnahmen noch die fiktiven 19% dazurechnen und dann das fiktive Brutto als Grenze für die Umsatzsteuer in Betracht ziehen?


    Ja.


    Zitat

    Oder kann ich beruhigt bis 17 500 EUR netto verdienen?


    Nein - 17.500 brutto.


    Zitat

    , was in meinen Augen bedeuten würde, dass die Grenze bei ~14 000 EUR liegt.


    Netto, ja. 14.705,25 Euro (bei einem Steuersatz von 19%, bei 7% (Lebensmittel, Bücher, Blumen) 16.355,14 Euro)


    Zitat

    Andererseits heißt es dann aber wieder
    , worin ich die Grenze von 17 500 EUR deute.


    Ja, brutto.


    Zitat

    Ach ja und noch zuletzt: Wenn ich dieses Jahr über die Grenze komme, welche auch immer, muss ich dann für dieses Jahr auch rückwirkend Umsatzsteuer zahlen?


    Nein.


    copy

  • Also kurzum: die ~14 800 EUR Grenze bei 19% Umsatzsteuer gilt, wenn ich 2012 keine Umsatzsteuer ausweisen möchte.


    Ich verstehe aber nicht, wieso dies überall so kompliziert erklärt wird und in den meisten Erklärungen auch nur von einer 17 500 EUR Grenze die Rede ist. Jeder Nicht-Versierte denkt doch dann automatisch, dass man Gesamteinnahmen von 17 500 EUR haben kann, was ja aber dann schon weit verfehlt wäre...


    Aber ich habe nun auch noch einen Link gefunden, der nun wieder das Gegenteil behauptet:


    Zitat

    Achtung: Brutto- oder Nettowerte?
    Bei den genannten Grenzwerten (17.500 Euro Umsatz im Vorjahr und 50.000 Euro im laufenden Jahr) handelt es sich aus Sicht von Kleinunternehmern grundsätzlich um Nettowerte. Als Kleinunternehmer müssen Sie also nicht, wie mancherorts zu lesen ist, gedanklich einen "fiktiven Umsatzsteuer-Aufschlag" vornehmen. Mit anderen Worten: Solange Sie nicht mehr als 17.500 Euro umsetzen, brauchen Sie keine Umsatzsteuer auszuweisen!


    Allerdings findet sich im § 19 UStG tatsächlich die Formulierung "... zuzüglich der darauf entfallenden Steuer ...": Diese leicht missverständliche Aussage trifft aber nur auf umsatzsteuerpflichtige Unternehmer zu, die im Vorjahr der Regelbesteuerung unterlagen und künftig zur Kleinunternehmerregelung wechseln wollen: Dann, und nur dann (!) handelt es sich bei der 17.500-Euro- und der 50.000-Euro-Grenze um Bruttowerte (= Summe aller Rechnungsbeträge inklusive Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer).


    Dies ist aber bisher auch die einzige Quelle, die ich gefunden habe, die 17 500 EUR als Netto-Wert ansieht...
    Ich gehe davon aus, dass dies nun eine Falschaussagen ist?!?!

  • Ich habe nun nochmal meinen Steuerberater gefragt und dieser hat bisher noch nie etwas von einer "fiktiven Umsatzgrenze" gehört. Er meinte, ich darf 17 500 EUR verdienen, wenn ich im nächsten Jahr keine Umsatzsteuer ausweisen möchte.
    Auch habe ich nochmal in dem anderen Forum nachgefragt, wo ebenso nochmal bestätigt wurde, dass man netto 17 500 EUR verdienen darf ohne irgendwelche fiktiven Beträge hinzurechnen zu müssen.

  • Oder kann ich beruhigt bis 17 500 EUR netto verdienen?


    Deine 17500 € als KU sind brutto. Da du USt. zahlen musst ist auch in deiner Kalkulation USt. enthalten, du darfst sie nur nicht ausweisen.


    Und vergiss diese 50000 € Grenze gleich wieder. Wenn du dauerhaft die KU-Regelung in Anspruch nehmen willst musst du auch dauerhaft unter den 17500 € bleiben.
    Merke dir einfach folgende Regel die jedes Jahr ! (nix 1.,2. oder 3.) erneut zu prüfen ist: im vergangenen Jahr nicht mehr als 17500 € und im laufenden Jahr nicht mehr als 50000 €.

    Alles was ich hier so schreibe ist nur meine ganz persönliche Meinung.