Frage zu Studium + Selbststaendigkeit + Kindergeld

  • Hallo,


    auch wenn die im Titel des Threads genannten Themen sicherlich ausgelutscht sind, bin ich nach Wochen der Internetrecherche nicht umhin gekommen, doch ein Thema dazu zu oeffnen. Offensichtlich gibt es den Fall, der bei mir vorliegt, bislang nicht im Internet.


    Zu meiner Situation:


    Ich studiere im 9. Semester (3. von 4 im Master) und bin Seit Ende 2009 nebenberuflich, selbststaendiger Kleinunternehmer als Freiberufler. Freiberufler deshalb, weil ich zu den Publizierenden gehoere, denn ich bin als Online-Redakteur taetig und somit habe ich kein Gewerbe angemeldet. Ich schreibe also Rechnungen. Da ich jedoch weit unter saemtlichen finanziellen Grenzen liege, bin ich laut Kleinunternehmergrenze nicht Umsatzsteuerpflichtig. So weit so gut.


    Da ich von vornherein wusste, dass man auch ohne Probleme nachtraeglich seine Einkommenssteuer fuer mehrere Jahre einreichen kann, komme ich erst jetzt dazu, meine Erklaerungen fuer 2009, 2010 und 2011 anzufertigen (dazu biette keine Kritik, ich weiß, dass das etwas umstaendlich war). Ich habe mit einem Steuerberater telefoniert und der sicherte mir dies zu. Ich darf mich beim Finanzamt also nachtraeglich eben als nebenberuflich, selbststaendiger Kleinunternehmer melden. Zumal meine Betraege wirklich sehr klein sind. Alles klein Problem. Ich werde also fuer alle 3 Jahre eine Steuerpflicht von 0 Euro haben.


    Scheinselbststaendig bin ich nicht, da ich mehrere Auftraggeber habe und alle Bedingungen zur Selbststaendig erfuelle ABER: in einem der Jahre, die ich nun melde moechte, hat ein Arbeitgeber mir mehr als die 5/6 meiner Gesamteinnahmen ausgezahlt (Ich erfuelle also einmal EINE von 6 noetigen Anforderung an Selbststaendigkeit nicht).


    FRAGE 1
    Gilt die 5/6-Einkommen-Grenze der Gesamteinnahmen fuer jedes Jahr einzeln oder auch in der Summe aller meiner Einkommenssteuererklaerungen?


    Nun zum Kindergeld:


    Ich rechne relativ unregelmaessig ab, sodass ich einem Kunden gern einmal eine Rechnung von 300 Euro in einem Arbeitszeitraum von 3 Monaten sende. Also nicht monatlich usw.
    Generell bin ich monatlich IMMER unterhalb der 400 Euro Grenze, teils sogar deutlich, denn ich richte meine Taetigkeit nach meinem Studium. Habe ich etwas mehr Zeit, nehme ich auch mehr Auftraege an, habe jedoch im Monat nie mehr als 400 Euro schaffen koennen. Die Grenze fuer Kindergeld liegt ja im Jahr bei 7xxx Euro, die ich niemals erreicht habe und niemals erreichen werde.
    Jedoch muss ich ja meine Selbststaendig als Student von Stunden abhaengig machen, ich darf also nicht mehr 20 Stunden die Woche arbeiten. Das schaff ich auch gar nicht, ist nicht vorgekommen und wird nicht vorkommen.


    FRAGE 2
    Wie kann man der Behoerde fuer Kindergeld (Familienbehoerde?) jetzt demnaechst, wenn ich mich beim Finanzamt melde usw., weiss machen, dass ich unter 20 Stunden in der Woche taetig war? Auf eine Rechnung schreibt ma ja schliesslich nicht, wie viel Stunden man in der Woche taetig war, man kann hoechstens angeben, wieviel Stunden man insgesamt fuer die Leistungen auf der Rechnung INSGESAMT benoetigte, aber doch nicht woechentlich?
    Kann ich also Probleme bekommen, wenn ich demnaechst mein Einkommen angebe, dieses jedoch die finanziellen Grenzen nie ueberschreitet und ich nur schlecht nachweisen kann, dass ich woechentlich nicht mehr als 20 Stunden gearbeitet habe?
    Als Kleinunternehmer ist man ja auch nicht verpflichtet, eine Buchhaltung zu fuehren, soweit ich mich informiert habe. Dennoch habe ich all meine Rechnung sorgfaeltig geordnet und abgeheftet, habe nur eben keine woechentlichen Stundenangaben.


    Bevor jetzt jemand meint, ich solle mich beraten lassen: Das Finanzamt ist nicht gern zu Beratungen bereit, wie ich mir sagen liess und des Weiteren moechte ich keinen Steuerberater zu Rate ziehen, da diese gut und gern mal 50 Euro fuer eine Stunde berechnen. Ich melde mich hier, um eben diese Kosten zu umgehen. Falls hier niemand bescheid weiss, bleibt mir natuerlich nichts anderes uebrig.


    Ich schreibe hier aus Vorsorge, denn schlafende Hunde soll man ja bekanntlich nicht wecken :)


    Vielen Dank im Voraus


    Raimund

  • Öhmm .. habe ich das jetzt richtig verstanden - Du bist seit 2009 selbständig tätig und das Finanzamt weiß von nix? Krankenkasse auch nicht? Welche Steuernummer hast Du denn auf die Rechnungen geschrieben? .. ohaueha .. nungut, wenn der Steuerberater meint, daß das keine Probleme gibt .. viel Glück^^


    Zu Frage 2: Ich wurde schon in diversen Fragebögen nach meiner wöchentlichen Arbeitszeit gefragt, aber nachweisen musste ich das noch nie. Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht wie, habe das immer geschätzt. Ich denke, so lange die angegebene Stundenzahl mit dem Einkommen zusammenpasst (5000 Euro Gewinn im Monat bei 3 Stunden Arbeit wären eher .. ungewöhnlich .. aber nichtmal unmöglich, wenn man es begründen kann), sollte es da keine Probleme geben. Ich gebe auch auf Rechnungen keine Stundenzahl an, weil ich der Meinung bin, daß es den Kunden einfach nichts angeht, ob ich für seinen Auftrag mit Pauschalbezahlung 10 oder 100 Stunden gebraucht habe ;)
    .. und eine Art "Buchführung" brauchst Du schon, Du musst mit der Steuererklärung eine Einnahme-Überschuss-Rechnung abgeben. Ist quasi eine Liste mit Deinen Einnahmen und Ausgaben, i.d.R. in sogenannten Konten zusammengefasst .. ich kann da zB das Programm Easy Cash & Tax empfehlen, damit geht das recht einfach.

  • Die Kindergeldkasse und auch das Finanzamt interessieren deine 20 Stunden nicht.
    Gegenüber der Krankenkasse ist zu (er)klären inweiweit du Einkommensgrenzen einhältst, inwieweit monatliche Überschreitungen geduldet werden oder nicht und dann eben ggf. die Stundenzahl nachzuweisen.

    Alles was ich hier so schreibe ist nur meine ganz persönliche Meinung.

  • Vielen Dank f�r die Antworten.


    @ Wildmieze


    Beim Finanzamt kann man es nachtr�glich anmelden, insofern man eben die Einkommenssteuererk�rung nachreicht und selbst wenn, was soll das FA machen? Ich werde keine Steuerschulden haben, habe also defacto nicht schwarz gearbeitet. Ich gebe aber zu, dass es etwas blau�ugig war, mich nachtr�glich zu melden. Das werde ich demn�chst einfach �ber mich ergehen lassen m�ssen. Aber man darf definitiv bis zu f�nf Jahre nachtr�glich seine Steuererkl�rung einreichen, also m�sste ich doch reintheoretisch auch nachtr�glich meine Selbstst�ndigkeit anmelden k�nnen? Denn wieso Selbstst�ndig melden, wenn ich kein Einkommen nachweisen kann...?


    Oder wei� jemand aus Erfahrung, dass Sanktionen verh�ngt werden, wenn man sich erst nachtr�glich beim Finanzamt als Selbstst�ndiger meldet?


    Zur Steuernummer:
    Laut meiner Recherche und Kontakt zu einem meiner Kunden ben�tige ich keine Steuernummer auf meinen Rechnungen, da ich von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch mache.


    Was hat es mit der Krankenkasse auf sich, das h�re ich zum ersten Mal? Ich bin bei der Barmer versichert, Hauptberuflich als Student, was ja auch weiterhin der Fall ist, da ich mit meiner Selbstst�ndigkeit sogar weniger als ein Minijob verdiene :) Wieso kann die das interessieren?


    Zur Buchf�hrung:
    Ich habe s�mtliche Rechnungen feins�uberlich abgeheftet. Wegen der Einkommenssteuererkl�rung ist bei mir folgender Fall: Ausgaben = 0 Euro; Geld zum Leben von meinen Eltern (steuerlich neutral, wenn ich mich richtig informiert habe); und nur mein Einkommen aus der Nebent�tigkeit, aber wie gesagt unter 400 Euro monatlich und somit nicht umsatzsteuerpflichtig.
    Wozu ben�tige ich da eine Einkommens-�berschuss-Rechung? Sind das nicht einfach nur in meinem Fall meine Einnahmen aus der nebenberuflichen T�tigkeit, die ich dann aufliste?


    @ dorintia


    Was existieren denn f�r Einkommensgrenzen? Sind die in meiner Krankenversicherung angegeben, also kann ich die in meinen Akten nachsehen? W�sste jetzt nicht, wo das was von einer Einkommensgrenzen steht...


    LG Raimund

  • und nur mein Einkommen aus der Nebent�tigkeit, aber wie gesagt unter 400 Euro monatlich und somit nicht umsatzsteuerpflichtig.


    Wa haben deiner Meinung nach die 400 € mit der Umsatzsteuer zu tun?


    Da wir nicht wissen in welchem Tarif du krankenversichert bist könnten wir jetzt nur mutmaßen. Generell gibt es aber bspw. für die Familienversicherung (über die Eltern oder den Ehepartner) und die studentischen Tarife Einschränkungen bezüglich Arbeitszeit und/oder Einkünften. Darüber informiere dich bei deiner KK.

    Alles was ich hier so schreibe ist nur meine ganz persönliche Meinung.


  • Wozu ben�tige ich da eine Einkommens-�berschuss-Rechung?


    Um deine Steuererklärungen machen zu können, die EÜR ist die Art der Gewinnermittlung. Die Gewinnermittlung fügst du den Steuererklärungen bei!


    Bei dir geht einiges kreuz und quer durcheinander - deine ominöse 400-Grenze im Zusammenhang mit der Umsatzsteuer gibt es gar nicht. Die 400 Euro spielen einzig eine Rolle im Zusammenhang mit den 400-Euro-Jobs: Hat jemand einen solchen, ist das in Bezug auf die Familienmitversicherung in der GKV unschädlich, obwohl die Einkommensgrenze bei 365,- Euro liegt. Aber da es keine 365-Euro-Jobs gibt ... liegt die Grenze eben dann bei 400,-.


    Zitat

    Laut meiner Recherche und Kontakt zu einem meiner Kunden ben�tige ich keine Steuernummer auf meinen Rechnungen, da ich von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch mache.


    Das ist auch Unsinn. Die Steuernummer gehört ausser bei sogenannten Kleinbetragsrechnungen zu den Pflichtangaben.

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  • Hallo,


    na das ist ja mal interessant, endlich lese ich mal, dass die 400 Euro-Grenze für Kleinunternehmer völlig irrelevant ist.
    Das erleichtert mir zumindest im Kopf einiges.


    Wegen der Krankenasse: Ich bin nicht mitversichert, sondern allein als Student. Da werde ich mich Anfang der Woche mal telefonische schlau machen. Danke für diesen Hinweis!


    Dass ich nun doch eine Steuernummer benötige, überrascht mich sehr, da ich für meine erste Rechnung von einem Rechtsanwalt, der u.a. ein Kunde von mir und vertrauenswürig ist, eine Musterrechnung bekommen habe, die so rechtlich i.O. sein sollte.
    Wie sieht denn eine Kleinbetragsrechnung aus, bis wann gelten diese? Ich habe nämlich einige Rechnungen mit einer Summe unterhalb von 50 € ...


    Bedeutet das, dass meine sämtlichen Rechnungen durch das Fehlen der Steuernummer nun nicht rechtsgültig sind?
    Was wären mögliche Folgen? Kann das FA mir nachträglich für die Jahre eine Steuernummer geben?


    Bevor nun der (angebrachte) Hinweis kommt: "Geh zum Finanzamt!", was ich ja eh vor habe, möchte ich noch einmal klar machen, dass ich mich nur gern vorher informiere und dann weiß, was auf mich zu kommt. Aber in diesen rechtlichen Sachen ist guter Rat, wörtlich, teuer und schwer zu bekommen, weshalb ich ja überhaupt zu diesem Forum griff.


    Vielen Dank für die Antworten und ich bin gespannt, ob ihr mir bei meinen weiterführenden Fragen auch so konstruktiv helfen könnt.


    LG Raimund

  • Hallo,


    ich bin es ein letztes Mal. Da ich es in Foren sehr wichtig finde, dass fertige Threads auch eine Ende bekommen, möchte ich für diejenigen, die über eine Suchmaschine hier bei meiner Frage, die sicherlich auch andere betrifft, gelandet sind, kurz schildern, wie mein Anliegen denn nun geendet hat.


    Krankenkasse:
    Bei meinen geringen Summe sollte es keine Probleme geben, meinte die Frau am Telefon.


    Nachträglich Anmeldung zur Selbständigkeit beim Finanzamt:
    Die Frau am Telefon meinte, dass es nicht sonderlich gut, aber auch nicht sonderlich schlecht ist, wenn man sich nachträglich meldet. Sie schickte mir dann einen Fragebogen zu. Mit Strafen habe ich hierbei nicht zu rechnen. Eine Steuernummer erhalte ich dann. Ich werde mich dann noch informieren, wie ich das handhabe bei Rechnungen, die ich ohne Steuernummer (also bislang alle) ausgestellt habe.


    Nachträgliche Steuererklärung:
    Da ich ja für 2009 und 2010 keine Steuererklärungen eingeschickt hatte, sollte ich diese gleich nachträglich der Anmeldung beilegen. Dies habe ich getan. Der Sachbearbeiterin obliegt es jedoch, mir eine Strafe aufzubrummen. Ich habe jedoch im Anschreiben darum gebeten, keine Sanktion zu verhängen, da ich de facto keine Einkommenssteuer zu zahlen habe, dem Finanzamt durch mein verspätete Abgabe also kein Geld abhanden gekommen ist. Mal sehen, ob ich Glück habe.


    Zum Problem der möglichen Scheinselbständigkeit kam bis jetzt nichts, aber nach einem Gespräch mit dem Kunden, der Rechtanwalt ist, droht mir pirnzipiell nicht die Scheinselbständigkeit.


    Zum Kindergeld wurde ja bereits vorher schon darauf hingewiesen, dass man nur nicht über die Jahresgrenze gelangen darf.


    Danke nochmals für die schnelle Hilfe.


    Ich denke, mein Anliegen diesen Thread zu öffnen ist nun erledigt und deshalb, liebe Mods, kann er geschlossen werden, vermute ich.


    LG RaimundRay