Behandlung der Gebühren einer Absatz-Plattform

  • Hallo!


    Folgenden Fall möchte ich durchleuchten, da mir die Besteuerungsmechanismen nicht ganz klar sind. Auf einer Plattform können Waren gehandelt werden. Die Plattform selbst bietet keine Waren an, sondern unabhängige Unternehmen bieten dort an und Endkunden oder andere Unternehmen können dort kaufen. Die Plattform selbst ist dann wohl als Vermittler zu bezeichnen und erhebt Gebühren – sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer und genau um diese Gebühren soll es gehen.


    Nehmen wir an, die Plattform erhebt für Käufer und Verkäufer jeweils Gebühren in Höhe von 5 % vom angebotenen Kaufpreis. Dann zahlt der Käufer bei einem eingestellten Kaufpreis von 100 Euro also 105 Euro und davon erhält der Verkäufer 95 Euro. Die Plattform behält somit 10 Euro ein. Der Käufer zahlt in diesem Fall an die Plattform und diese leitet dann das Geld (abzüglich der Gebühren) weiter an den Verkäufer.


    Wie genau sieht dann die Rechnung des Verkäufers, der die Ware angeboten und verkauft hatte, aus? Weist dieser 95 Euro, 100 Euro oder den Betrag, den der Käufer zahlen musste, also 105 Euro, auf der Rechnung aus? Und entsprechend: Werden dann 95, 100 oder 105 Euro auf der Rechnung besteuert (Umsatzsteuer)?


    Normalerweise wird ja der Betrag, den ein Käufer zahlen muss, in Rechnung gestellt und besteuert, meinem Wissen nach sogar inkl. Versandkosten (Versandkosten klammern wir der Einfachheit bei diesem Fall erst einmal aus). Das „Verwirrende“ wäre dann aber, dass der Verkäufer 105 Euro besteuern müsste, obwohl er „nur“ 95 Euro erhält und die Differenz in Höhe von 10 Euro (105 – 95 Euro) direkt von der Plattform einbehalten wird.


    Angenommen, es gilt, was ich vermute: Dass 105 Euro in Rechnung gestellt und besteuert werden. Dann gehen also 95 Euro auf dem Konto ein, der Umsatz, den der Verkäufer in seinen Büchern einträgt, müsste aber 105 Euro betragen. Ist das richtig so?


    Demnach sähe die Rechnung, die der Verkäufer bestellt, in dem Beispiel folgendermaßen aus?
    88,24 Euro Nettowert
    16,76 Euro Umsatzsteuer (19%)
    105,00 Euro Brutto


    Es würde mich freuen, wenn sich jemand der Thematik annehmen würde :-)

  • Ich kann mir vorstellen, dass Dein Steuerberater sich gerne dieser Thematik annehmen würde.


    Das ist mir schon klar. Ich wollte diese Thematik aber ganz gerne klären, ohne einen Steuerberater zu konsultieren, da ich mir relativ sicher bin, die Antwort zu kennen. Eine zweite/dritte Meinung wollte ich dennoch gerne hören :)

  • Der Kunde bekommt eine Rechnung über den Betrag, den er auch gezahlt hat. Ist doch das gleiche wie bei Paypal Zahlungen. Paypal, Ebay, Amazon, deine Plattform Kosten werden extra berechnet und fertig.

  • Ist doch das gleiche wie bei Paypal Zahlungen. Paypal, Ebay, Amazon, deine Plattform Kosten werden extra berechnet und fertig.

    nicht ganz, bei deinen beispielen zahlt nur der Verkäufer Gebühren, dieser kann die dann wiederum als Betriebsausgaben = Kosten = gewinnmindernd geltend machen


    aber im gefragten Fall zahlt auch der Käufer Gebühren, nicht nur der Verkäufer ;)

  • Eben. Das macht den Fall eben etwas komplizierter.


    Und was die Sache ebenfalls nicht ganz vergleichbar mit einer PayPal-Zahlung macht:


    Der Käufer bezahlt nicht direkt an den Verkäufer, sondern der Käufer überweist das Geld an die Plattform. Die Plattform zieht dann die Käufergebühr und die Verkäufergebühr ab und überweist den Restbetrag an den Verkäufer.


    Daher bin ich mir jetzt nicht ganz sicher, wie die Rechnung des Verkäufers aussehen muss. Der Käufer erhält zudem eine Rechnung von der Plattform über den gesamten zu zahlenden Betrag und der Käufer überweist dann wie gesagt an die Plattform und der Verkäufer erhält dann den Betrag, der dem Verkäufer zusteht, von der Plattform.


  • Daher bin ich mir jetzt nicht ganz sicher, wie die Rechnung des Verkäufers aussehen muss. Der Käufer erhält zudem eine Rechnung von der Plattform über den gesamten zu zahlenden Betrag und der Käufer überweist dann wie gesagt an die Plattform und der Verkäufer erhält dann den Betrag, der dem Verkäufer zusteht, von der Plattform.


    Dann müsste die Rechnung des VK auch an die Plattform gehen, über den Betrag den er von ihr erhält.
    Sofern es tatsächlich so ist, dass die Plattform eine Rechnung über alles an den Käufer stellt. Dann wäre sie ja im direkten Vertragsverhältnis mit dem Endkunden. (Inkl. Gewährleistung etc.)


    Ich würde sagen, das hängt doch stark von der geschäftlichen Gestaltung der Plattform ab.
    Was ich mir vorstellen kann ist folgendes:


    • Plattform stellt Rechnung über die 5 Euro Geb. an Käufer und fordert im Namen und auf Rechnung des VK 100 Euro.
    • Kunde zahlt 5 + 100 an Plattform.
    • Plattform schickt Rechnung / Abrechnung über 5 Euro an VK und überweist ihm 95 Euro.
    • VK schickt mit Ware Rechnung an Kunde in Höhe von 100 Euro.



    Wenn ich keinen Denkfehler habe müsste dann alles passen.

  • Erst einmal vielen Dank für die Antworten!


    Okay...in der Theorie wären also verschiedene Varianten möglich.


    Dass die Plattform die Gewährleistung etc. übernimmt, halte ich auch für eher unwahrscheinlich, denn der Vertrag kommt in diesem Fall zwischen Käufer und Verkäufer zustande. Dann würde also die 2. Variante gelten => VK-Rechnung über 100 Euro und zu besteuernder Umsatz ebenfalls 100 Euro. In der Auflistung von Einnahmen und Ausgaben trägt der VK dann 100 Euro Einnahmen ein und die Gebühren werden auf der Ausgabenliste eingetragen.


    Eine Frage hätte ich dann noch, um das Ganze noch einen Tick komplizierter zu machen :P : Wenn die Plattform den Sitz in Großbritannien hat. Hat der VK dann die Möglichkeit, sich die Umsatzsteuer aus den VK-Gebühren zurückzuholen? Oder ist das bei solchen Gebühren nicht möglich? Die Frage klingt jetzt etwas bescheuert. Ich hatte beim ersten Einholen von diesbezüglichen Infos gelesen, dass das deutsche Unternehmen keine Filiale/Betriebsstätte in Großbritannien haben darf und dass es beim Umsatzsteuervergütungsverfahren (ich hoffe, der Fachbegriff ist richtig) eben auch darauf ankommt, worin die Umsatzsteuer enthalten war. In diesem Fall wäre es meiner Meinung nach als Dienstleistung einzustufen und somit müsste es möglich sein, die Umsatzsteuer zurückzuholen, oder?

  • Aller Wahrscheinlichkeit(!) nach ist die Lösung von frangulus nicht zutreffend.


    zu #9: Grds. gilt das sogenannte Allphasen-Netto-Prinzip in der USt.
    d.h. grds. kann man sagen, solange der VK vorsteuerabzugsberechtigt ist, ist er nicht mit "Vorsteuer" belastet. Wie diese Entlastung stattfindet, ist unterschiedlich. Das hängt von vielen Faktoren ab, Art der Leistung, Ort der Versteuerung, Grenzüberschreitender Leistungsaustausch, Drittland, EU-Land, Deutschland, ob VK dort eine Betriebsstätte hat, ob Rechtsordnung ein "reverse-charge"-Verfahren vorsieht, welche USt-Id. sind im Spiel, bestehen Reihen- oder Dreiecksgeschäfte und auch sogen. Lieferschwellen überschritten werden.

  • Helft mir doch mal auf die Sprünge - was ist der Vorteil, wenn sich Käufer und Verkäufer die Gebühren teilen ..? Ob nun jeder 5 oder der Verkäufer 10 Euro zahlt, die Beträge bleiben doch an allen Ecken und Enden dieselben .. oder habe ich einen Denkfehler ..?

  • Meist dient das eine intransparenten Preisgestaltung.


    Z.B. können einige es akzeptieren, dass ein Makler 3 Monatsmieten für den Nachweis eines Wohnobjektes bekommt. Aber 6 Monatsmieten würden viele als "Wucher" empfinden.


    Nun ja, dann fragt man einfach BEIDE Parteien nach nur 3 und hat im Ergebnis auch wieder 6.


    Ist jedoch nur meine Vermutung...