Oh Schreck - Kleinunternehmer: Umsatz überschritten

  • Hallo zusammen,


    ich sitze gerade an meiner Steuererklärung 2014 - das Finanzamt hat mir trotz Selbstständigkeit noch einen kleinen Aufschub gegeben, aber morgen muss ich sie hinbringen.


    Nun stelle ich beim Durchwühlen meiner Unterlagen usw. fest, dass ich 2013 bereits die Kleinunternehmergrenze von 17.500 Euro um circa 2.000 Euro überschritten habe - und überhaupt nicht darauf reagiert habe. Auch das Finanzamt hat mir nichts geschickt, auch wenn ich nun weiß, dass ich verpflichtet gewesen wäre, es selbst zu machen. Natürlich habe ich auf meinen Rechnungen auch keine Umsatzsteuer ausgewiesen, sondern auf die Kleinunternehmerregelung verwiesen bzw. tue dies ja fälschlicherweise immer noch.


    Ich habe 2013/2014 hauptberuflich eine recht anstrengende Zeit gehabt (Ausbildung) und nebenbei selbstständig als Texter gearbeitet. Natürlich war es ein Fehler, dass ich offenbar die Kleinunternehmerregelung nicht richtig im Hinterkopf hatte - ich arbeite seit 2010 selbstständig und das lief einfach so nebenher weiter. :(


    In meiner aktuellen Steuererklärung muss ich wieder selbstständige Einkünfte knapp unter 20.000 Euro angeben.


    Was mache ich denn nun, hat jemand einen Rat?


    Meine erste Rechnung für 2016 habe ich bereits geschrieben, allerdings kann ich die noch "aufhalten". Mein größter Kunde ist ein Unternehmen, aber ich weiß nicht, ob meine dort sitzende Auftraggeberin nicht plötzlich irritiert über ein sattes Plus auf der Rechnung ist, da sie nur ein bestimmtes Budget hat für meinen Bereich - oder zählt das dann sowieso nicht hierhinein?


    Gibt es eine Chance bei der Erstellung von Texten auf den ermäßigten Steuersatz zu hoffen, falls ich, was ich vermute, das komplette Jahr 2014 nachzahlen muss?


  • Was mache ich denn nun, hat jemand einen Rat?


    Die Steuererklärung fertigmachen und abgeben und zusehen, dass du das Geld bereit hast, die Umsatzsteuer für 2014 nachzuzahlen – da kennt das Finanzamt nämlich keine Gnade, was Stundung oder Ratenzahlungen angeht. Und dann ist zügig auch 2015 fällig.


    Zitat

    Meine erste Rechnung für 2016 habe ich bereits geschrieben, allerdings kann ich die noch "aufhalten".


    Tu das.


    Zitat

    Mein größter Kunde ist ein Unternehmen, aber ich weiß nicht, ob meine dort sitzende Auftraggeberin nicht plötzlich irritiert über ein sattes Plus auf der Rechnung ist, da sie nur ein bestimmtes Budget hat für meinen Bereich - oder zählt das dann sowieso nicht hierhinein?


    Die USt ist ein durchlaufender Posten.


    Zitat

    Gibt es eine Chance bei der Erstellung von Texten auf den ermäßigten Steuersatz zu hoffen, falls ich, was ich vermute, das komplette Jahr 2014 nachzahlen muss?


    Grundsätzlich gilt auch für Texte der allgemeine Steuersatz von 19% – es gibt aber eine Ausnahme. Lies dir mal das (ganz) durch:


    http://www.texterverband.de/Pr…_Prozent_Umsatzsteuer.pdf


    Daraus:


    "Für die umsatzsteuerliche Beurteilung ist dabei allein auf den Aspekt der Rechtsübertragung abzustellen. Damit der ermäßigte Steuersatz von 7 % gilt, müssen die Nutzungsrechte der urheberrechtlich geschützten Arbeiten überlassen werden. D. h. der Urheber muss dem Kunden/der Kundin das Recht einräumen, den Text zu verwerten, also Abzüge zu erstellen, Auszüge zu nutzen und zu veröffentlichen. Dieses Nutzungsrecht kann räumlich, zeitlich, inhaltlich oder auf bestimmte Nutzungsarten beschränkt werden. (...)


    Für eine steuerlich sichere Gestaltung ist es daher immer erforderlich, dass möglichst auch in der Rechnung, in jedem Fall aber im geschlossenen Vertrag deutlich wird, was Gegenstand des Vertrages ist. Soll lediglich ein informeller Text zur eigenen Verwendung überlassen werden (z. B. ein Rechtsgutachten), so fehlt es an der Rechtsübertragung, wir haben einen Steuersatz von 19 % anzusetzen."


    Und sprich im Zweifelsfall direkt (!) mit dem Finanzamt, statt eigenmächtig nur 7% anzusetzen – zumal deine Vertragsgestaltung und Rechnungsstellung ja vermutlich nicht auf die Urheberrechte abgehoben hat.


    copy

  • Danke sehr!


    Ich werde morgen Kontakt mit einem Steuerberater aufnehmen und mir dann auch künftig helfen lassen, sonst wächst mir das doch über den Kopf.


    Bezüglich der 7 Prozent bin ich relativ optimistisch, weil ich vor allem Artikel für eine Zeitschrift schreibe, die das Unternehmen auch woanders einsetzen kann und das auch bereits getan hat. Aber das kläre ich vorher, ja.


    Durchlaufender Posten heißt, es belastet die Unternehmen nicht? Es ist eben so - ich will meinen größten Kunden nicht "verärgern" und habe die Befürchtung, dass sie bei Problemen lieber auf meine Dienste verzichten (obwohl die Zusammenarbeit bis dato immer super war!). Wenn die Dutzende Rechnungen nacharbeiten müssen, sind die sicher auch nicht superfröhlich... Dass es unprofessionell meinerseits ist, ist auch klar.

  • Hallo alle,


    ich hänge mich hier mal an das Thema da mich in diesem Zusammenhang auch etwas interessiert. Wenn man die 17500€ nur Umsatz nur knapp überschritten hat, sagen wir mal um 50€, hat man dann schlichtweg Pech, weil schlecht aufgepasst, oder kann man da nachträglich noch den Umsatz des letzten Jahres beeinflussen?


    Wie ist es zum Beispiel wenn man eine Rechnung des letzten Jahres ändert und diese 50€ als Rabatt gewährt. Hat das dann noch Einfluss auf den Umsatz des letzten Jahres?


    Wenn die Dutzende Rechnungen nacharbeiten müssen, sind die sicher auch nicht superfröhlich... Dass es unprofessionell meinerseits ist, ist auch klar.


    Sehe ich ähnlich. Ist sehr unangenehm. Letztlich ist man selbst schuld und müsste wohl in den sauren Apfel beißen.

  • vcj43kf : Ich vermute mal, dass das nichts bringt, weil beim Umsatz offenbar immer der Geldeingang zählt. Aber vielleicht weiß ja hier jemand mehr...


    Bei mir ist es übrigens gut ausgegangen. Mein Auftraggeber hat alles ganz unproblematisch an mich überwiesen und ich habe nun einen Steuerberater :D Bin auch froh, dass der bei dabei geholfen hat, denn erstmal musste man ja den 2014er Betrag als Brutto-Betrag inkl. Steuer machen (eigentlich war es ja für mich netto), dann wurde die Differenz 2016 im ersten Quartal umsatzsteuermäßig berücksichtigt. Und seitens des Auftraggebers ging es über eine korrigierte Sammelrechnung plus Sammelgutschrift (hier die Netto-Beträge, die bezahlt waren) für jeweils ein Jahr. Da es bei mir um rund 7.000 Euro ging, war ich wirklich froh drüber!


  • ich hänge mich hier mal an das Thema da mich in diesem Zusammenhang auch etwas interessiert. Wenn man die 17500€ nur Umsatz nur knapp überschritten hat, sagen wir mal um 50€, hat man dann schlichtweg Pech, weil schlecht aufgepasst, oder kann man da nachträglich noch den Umsatz des letzten Jahres beeinflussen?


    Nein, den Umsatz kannst du nicht nachträglich beeinflussen und die Umsatzgrenze ist absolut. Überschritten ist überschritten.


    Du kannst höchstens noch mal genau nachrechnen und überprüfen, ob tatsächlich alle in 2015 gestellten Rechnungen auch 2015 bezahlt wurden – sofern du die Ist-Versteuerung gewählt hast. Dann gilt das Zuflussprinzip und wenn die Zahlung erst 2016 erfolgt ist, zählt der Umsatz auch erst für 2016.


    Zitat

    Wie ist es zum Beispiel wenn man eine Rechnung des letzten Jahres ändert und diese 50€ als Rabatt gewährt. Hat das dann noch Einfluss auf den Umsatz des letzten Jahres?


    Erlaubt ist das (natürlich) nicht – http://www.gruenderlexikon.de/…eiben/rechnungen-aendern/
    Und dein Kunde hat die ja auch längst bezahlt und in seine Buchhaltung einfließen lassen ...


    copy