Studieren, aber was?

  • Da mittlerweile schon fast täglich von Eltern, Großeltern und neuerdings auch Freunden/Bekannten gefragt werde, ob ich denn endlich wisse, was ich studieren will, hab ich mir (nach monatelanger Faulheit diesbezüglich) jetzt vorgenommen, das Thema endlich mal anzupacken.


    Situation ist folgende: Ich habe dieses Jahr Abitur gemacht (Leistungskurse Biologie und Englisch, Abischnitt 1,6)...und gammel seit dem vor mir hin ;)...naja, nicht ganz:


    Ich konnte mich damals für kein Fach entscheiden, hatte zudem auch noch nicht wirklich Lust auf Studieren und hab deshalb beschlossen, ein halbes Jahr Pause zu machen, um mich in Ruhe ausgiebig zu informieren, ein bisschen Geld zu verdienen und eventuell auch nochmal zu verreisen.


    Bewerbungsschluss für das Sommersemester 2005 ist Mitte Januar, d.h. ich habe noch etwa 2 Monate Zeit, meine Traumkombination von Fach und Uni zu finden.


    Zur Zeit habe ich drei Fächer im Auge, hab allerdings keine Ahnung, welches davon (oder ob überhaupt eins davon und nicht vielleicht ein ganz anderes) das beste für mich wäre:


    - Bioinformatik
    - Biologie
    - Media System Design (FH)


    Allgemein suche ich ein Fach, das in etwa diesem Profil entspricht:


    Wissenschaft/Forschung (eben progressiv, neues herausfinden und entwickeln und nicht nur gegenebe Fakten einpauken), möglichst interessant und abwechslungsreich und mit einer (ruhig kräftigen) Prise Informationstechnologie.


    Bioinformatik entspricht diesem Schema perfekt, was mich allerdings etwas abschreckt, ist der hohe Mathe-Anteil bzw. die Informatik-theorie allgemein.


    In Mathe war ich in der Schule zwar nicht bzw. nur zeitweise wirklich schlecht (vor allem gegen Ende nicht mehr, hatte im Abi dann doch 12 Punkte), aber es war immer mein absolutes Hass-Fach. Bei der Erschließung von allzu abstrakten/theoretischen Dingen hab ich sehr schnell mit Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen.


    Auf Biologie kam ich, weil ich das wie erwähnt als LK hatte, darin gut war, Spaß hatte und mich (glaube ich) auch durchaus "ernsthaft" für Leben interessiere. Allerdings ist mir das Fach ein bisschen zu konventionell und technik/computer-arm (ich glaub ich würde lieber neuronale Netze simulieren als im Wald Schmetterlinge zu jagen).


    Media System Design passt auch hervorragend in das Schema und hat in meinen Abwägungen zusätzlich das Plus, durch seine Eigenschaft als FH-Fach automatisch recht praxisbezogen undmöglicherweise etwas lockerer zu sein. Gleichzeitig schreckt mich das auch wieder ab, weil FH-Abschlüsse ja nach wie vor einen schlechteren Ruf haben als Diplome von "richtigen" Unis.


    Ausserdem interessiert mich Film und Multimedia nicht sooo sehr. Mein Interesse an Medien ist eher auf das Web und Textdaten (HTML/XML, Informationsarchitekturen, Content Management etc.) begrenzt.


    Und zu allem Übel bin ich bis jetzt auch noch für eine ganze Menge anderer Fächer offen.


    Die beste Herangehensweise zur Eingrenzung erscheint mir das Ausschließen von Fächern/Themengebieten zu sein, die ich ganz bestimmt nicht studieren will, als da wären:


    - Sprachen (trotz Englisch als LK, das war eher eine Entscheidung aus Faulheit, weil ich Englisch schon immer ganz gut konnte)
    - Sport
    - Politik/Wirtschaft/Jura



    Lange Rede, kurzer Sinn: Falls jemand von euch glaubt, mir mit irgendeiner Information weiterhelfen zu können - sei es Erfahrung mit einem bestimmten Fach/einer bestimmten Uni oder einfach nur ein Vorschlag "aus dem Bauch heraus": Immer her damit, ich bin für jedes Puzzlestück dankbar.


    So far...


    Seb

  • Hm, ich habe Bio studiert und gebe in einem Monat meine Diplomarbeit ab.


    Mit Schmetterlingen jagen hat das Ganze eigentlich nur im Grundstudium auf den Exkursionen was zu tun.


    Es gibt dort inzwischen so viele verschiedene Bereiche von der Theorie irgendwelcher Modelle hin zu fast reiner Laborarbeit, usw. usf...


    Was mich persönlich an der Forschung stört (bzw. an meiner Diplomarbeit), ist die Tatsache, dass man ewig an einer Sache (Frage) sitzt, bis sie endlich abgeschlossen ist (bin ich zu ungeduldig für).
    Es gibt Tage, da macht man nur Fließbandarbeit (Fusselarbeit) und welche, an denen man vor Stress kaum noch weiß, wo vorne und hinten ist, weil man eine Veröffentlichung fertig haben muß. Und ohne die kommt man eh nicht weiter in der Forschung.


    Und ohne gute Ergebnisse (die ja nicht immer vorherzusehen sind) bekommt man auch keine Veröffentlichungen in guten Journals.
    Wichtig ist auch die englische Sprache, und dass man sich schnell und ohne tausende von Kursen in neuen Programmen zurechtfinden kann (Statistik, Analyse, Grafikprogramme u.v.m.).


    Wenn du dich all dem gewachsen fühlst und einen Job machen willst, in dem man definitiv mehr als 100% geben muß. Dann ist es ok.
    Denn trotzdem ich nicht in der Forschung bleiben werde, habe ich das Studium auf keinen Fall bereut.
    1. weil es mich sehr interessiert hat und 2., weil ich wirklich viel gelernt habe, was mir in jedem Fall auch in anderen Berufen nützlich sein wird, denke ich.


    Es ist also mit ziemlich viel Stress (für mich) verbunden und hat echt nichts mehr mit dem Bild vom verschrobenen Professor zwischen all seinen Schmetterlingen in seinem Kämmerlein zu tun (auf jeden Fall selten).


    Ich würde dir also raten, dich wirklich gut zu informieren.
    Viel glück dabei. :)

  • Hi Nele, und danke für deine Antwort!


    Zitat

    Ich würde dir also raten, dich wirklich gut zu informieren.


    Das hab ich vor - genau deshalb hab ich ja zum WS noch nicht angefangen.


    Wenn ich Pech habe, wird mir zum Informieren doch mehr Zeit bleiben, als mir lieb ist. Ich hab eben von der Informatikfachschaft in Tübingen erfahren, dass ein Studiumsbeginn in Bioinformatik zum SS wegen der ganzen versäumten Vorlesungen des WS praktisch nicht möglich ist.


    Ich hoffe sehr, dass das nicht für alle Fächer und Unis gilt, die für mich in Frage kämen. Falls doch, wäre meine Entscheidung zu einer Auszeit nach hinten losgegangen, en ganzes Jahr möcht ich nämlich eigentlich nicht warten.

  • Wie wäre es mit mensch und biosphäre?
    ich hoffe ich denke nach feierabend noch daran mal was zu suchen
    hab bis jetzt nur nach "biogenetic" "biogenetische technik" gesucht und nicht das gefunden was ich im kopf habe
    gibt es denn nicht so was wie technische biologie?


    Zitat

    Bioinformatik entspricht diesem Schema perfekt, was mich allerdings etwas abschreckt, ist der hohe Mathe-Anteil bzw. die Informatik-theorie allgemein.


    Zitat

    Auf Biologie kam ich, weil ich das wie erwähnt als LK hatte, darin gut war, Spaß hatte und mich (glaube ich) auch durchaus "ernsthaft" für Leben interessiere. Allerdings ist mir das Fach ein bisschen zu konventionell und technik/computer-arm (ich glaub ich würde lieber neuronale Netze simulieren als im Wald Schmetterlinge zu jagen).


    dürfte doch für das sprechen was ich im kopf habe


    bis dann um ca 18:30 ich muss los

  • seb schrieb:

    Gleichzeitig schreckt mich das auch wieder ab, weil FH-Abschlüsse ja nach wie vor einen schlechteren Ruf haben als Diplome von "richtigen" Unis.


    Das würde ich so pauschal nicht sehen. In einigen Berufsfelder werden nach wie vor Uni-Absolventen bevorzugt, aber in vielen anderen Bereichen ist ein FH-Studium keinesfalls ein Nachteil. Eben aus den von dir genannten Gründen: Der Praxisanteil ist oft wesentlich höher und in vielen Bereichen ist des Studium keinesfalls "lockerer" als an der Uni, im Gegenteil.


    Wie das im Bereich Biologie ist kann ich allerdings nicht beurteilen... vielleicht sprichst du da mal mit Leuten die gerade studieren bzw. Ihr Studium gerade hinter sich haben.

  • ich würde dir, wenn du dazu neigst vor dich "hinzugammeln" und wenn du ab und an ein wenig antrieb brauchst (sprich: einen tritt in den arsch), eine FH zu besuchen anstatt einer Uni. da wird sich wenigstens besser um einen gekümmert. unis sind zu groß und anonym. so jedenfalls meine erfahrung.
    ausbildung beim richtigen betrieb wäre auch ne alternative. bevor du die zeit beim studium verplämperst und eh nix bei rum kommt, gell? ;)

  • Falls du es nicht schon weisst:
    Studiere etwas allgemeines, wie Z.B. Biologie und keine Spezialsachen. Denn aus einem Biologen muss nicht umbedingt ein Forscher werden, kann auch ein Manager bei Novartis oder sonstwas werden.
    Je weniger spezifisch du studierst, desto mehr Auswahl hast du später udn bist flexibler. Zumal du ja selbst nicht recht weisst, was du willst...

  • Zitat

    Wie das im Bereich Biologie ist kann ich allerdings nicht beurteilen... vielleicht sprichst du da mal mit Leuten die gerade studieren bzw. Ihr Studium gerade hinter sich haben.


    Hab ich schon, bisher allerdings nur fast ausschließlich mit Germanistinnen (die mir aus denkbaren Gründen wenig weiterhelfen konnten) und Informatikern (von denen ich weiß, wieso ich -pure- Informatik ganz sicher nicht studieren will).


    Studierende anderer Fächer - insbesondere solcher, die ich mir auch für mich vorstellen könnte - kenne ich nicht bzw. nicht näher, da müsste ich mir erstmal gezielt jemanden suchen.


    Zitat

    bevor du die zeit beim studium verplämperst und eh nix bei rum kommt, gell?


    So schlimm ist es nicht ;). Ich hab zwar manchmal so meine Probleme mit Selbstmotivation, aber gerade deshalb such ich ja nach dem perfekten Fach. Wenn mich etwas richtig interessiert, hab ich Motivation ohne Ende :).


    Zitat

    Studiere etwas allgemeines, wie Z.B. Biologie und keine Spezialsachen. Denn aus einem Biologen muss nicht umbedingt ein Forscher werden, kann auch ein Manager bei Novartis oder sonstwas werden.


    Ich glaube ich interessiere mich aber eher für Spezialsachen. Und ich denke, man hätte z.B. als Bioninformatiker durchaus gute Berufschancen - es sei denn, der Markt ist in 5 Jahren mit Bioinformatikern überschwemmt, aber dann könnte man das Fach ja auch nicht mehr "Spezialsache" nennen.

  • Hi Seb,
    ´ne richtig konkrete Studienberatung ist für uns aus der Ferne natürlich schwer. Ich hab selbst ein math.-nat. Hochschulstudium hinter mir und maße mir vor diesem Hintergrund zumindest einen allgemeinen Ratschlag an:

    Treff eine Entscheidung FÜR deine Begabung, FÜR deine Interessen und dann leg mal die Vorbehalte ab und stürz dich mit 120% Eifer in die Sache.

    Kurz ausgeholt, aus deinem Post spricht viel "halber Wille":

    Zitat

    ...auch noch nicht wirklich Lust auf Studieren...was mich allerdings etwas abschreckt, ist der hohe Mathe-Anteil bzw. die Informatik-theorie...Mathe war immer mein absolutes Hass-Fach...allerdings ist mir das Fach ein bisschen zu konventionell...ausserdem interessiert mich Film und Multimedia nicht sooo sehr...

    Ich denke aus diesem Grundzug rührt auch dein Entschluss, übers Ausschlussverfahren deim Ziel näher zu kommen. Ich halte das für einen Irrweg.

    Ich glaube sicher sagen zu können: Jedes Studienfach im mathematisch-naturwissenschaftlichem Umfeld incl. aller von dir genannten Varianten ist anspruchsvoll und anstrengend., zumindest wenn du darauf eine wirklich interessante Laufbahn gründen willst. ´n bisschen cool übern Campus schlenkern ist ein Zerrbild und nur 5% der Wahrheit. In diesen Fächern braucht man für den Erfolg Ausdauer und den unbedingten Willen und die Bereitschaft, auch dicke Bretter zu bohren. Und zwar abstrakte Bretter.
    Mathe<>Rechnen;
    Informatik<>(HTML/XML, Informationsarchitekturen, Content Management); Biologie<>Schmetterlingsfänger.
    Überall eher viel Mathe, viel abstrakte Strukturen in all diesen Fächern.

    Aber all das lernst man auch, du wächst mit den Anforderungen! Es erfordert aber, sich vorbehaltlos auf die Sache einzulassen. Und das erfordert imho die Wahl eines Faches, das deinen Stärken, Interessen am nächsten kommt. (Denn nur in diesen Domänen ist man ausdauernd und auch leidensfähig). Nicht die Wahl des Faches, gegen das dir am wenigsten Gegenargumente einfallen.

    Und ein letztes: Deine Anforderungsprofil "neues herausfinden und entwickeln und nicht nur gegenebe Fakten einpauken, möglichst interessant und abwechslungsreich und mit einer (ruhig kräftigen) Prise Informationstechnologie." trifft zu 100% auf alle qualifizierten Jobs im math-nat-IT-Bereich zu. Da brauchst dir keine Sorgen zu machen.

    Ciao, ´ne gute Wahl wünsch ich! Stefan

    Nachtrag zu deinem letzten Post: Jeder Versuch, jetzt vorhersehen zu wollen, was in 5-7 Jahren gebraucht wird, ist eine Sackgasse. Ich sag nur Schweinepreiszyklus. Beginne generalistisch und spezialisiere dich gegen Studienende. Im Studium klären sich ja nun auch wirklich die Talente und Interessen.

  • Also, mein Tipp wäre, dass du dich einfach mal in ein paar Vorlesungen reinsetzt.
    Bzw. dich in Uniforen einklinkst und dort mal jemanden ausquetscht,
    der z.B. Bioinformatik studiert.

    Ich weiß nicht, irgendwie klingt es doch schon danach, als wäre das dein
    eigentlicher Studienwunsch, dann würde ich mich durch den Matheanteil usw.
    nicht abschrecken lassen, vor allem nicht bei dem Abischnitt! :)
    Schule und Studium, das sind zwei völlig verschiedene Sachen, du machst es,
    weil du es willst und es dich interessiert, und dann bekommen auch Sachen
    wie Mathe etc. einen völlig neuen Sinn.
    Das war jetzt mal eine gewagte These von mir, aber sie könnte stimmen.8)
    Bei mir hat sich das zumindest in anderen Punkten bewahrheitet.

    Gruß
    Rea

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